Demo am 12. Juli 2008
Hans Joachim Corts
Superintendent des Ev. Kirchenkreises am Rhein und Sieg
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Mitdemonstranten!
Rassismus darf um Gottes willen nicht sein!
Das ist das Bekenntnis der 230.000 evangelischen Christinnen und Christen in der Region, für die ich als Superintendent des Kirchenkreises An Sieg und Rhein heute stellver-tretend sprechen darf.
Rassismus darf um Gottes willen nicht sein!
Das ist der Grund, warum wir heute hier sind.
Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, als Mann und als Frau. So beschreibt die hebräische Bibel die Entstehung des Menschen.
Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes und damit gleichwertig.
Alle Menschen sind Ebenbilder Gottes. Gleich, welche Hautfarbe sie haben, gleich, welcher Nation sie angehörigen, unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Religion. In einem jeden Menschen spiegelt sich der schöpferische und Leben bejahende Gott der Heiligen Schrift.
Wir glauben und bekennen den Gott, der einen Menschen und damit eine Menschheit geschaffen und gewollt hat. Der für seine Schöpfung ein Leben in Toleranz und Achtung voreinander möchte.
Deshalb ist es mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar, wenn sich eine Nation oder ein Volk über andere stellt. Nicht Ausgrenzung ist angesagt, sondern die Aufforderung, alle Menschen in ihrer Würde wahrzunehmen und anzunehmen!
Deshalb setzen wir allem Fremdenhass und Rassismus ein deutliches und entschiedenes Nein entgegen.
Nationalismus ist der verkehrte Weg, Toleranz die einzige Möglichkeit zu einem friedlichen Miteinander von Menschen unabhängig von Hautfarbe, Religion, Geschlecht und Alter.
Aber ich sage deutlich: keine Toleranz gegenüber einer menschenverachtenden Ideologie. Einen anderen Menschen akzeptieren, heißt nicht, seine Untaten stillschweigend hinzunehmen und gnädig darüber hinweg zu sehen.
Deshalb haben sich die Evangelischen Kirchenkreise Bonn, Bad Godesberg-Voreifel und An Sieg und Rhein dem Bündnis angeschlossen und sagen in der weltoffenen und toleranten UN-Stadt Bonn: Wir wollen euch Nazis nicht in dieser Stadt. Wir überlassen euch keinen Fußbreit der Bundesstadt. Wir setzten euch unseren Widerstand entgegen: Friedlich und entschlossen. Wir halten eurem braunen Menschenbild unser Menschenbild entgegen und sagen: Rassismus darf um Gottes Willen nicht sein!
Dieses klare Bekenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit in den 63 Kirchengemeinden der Region.
Darum stellen wir als Evangelische Kirche in den 61 Kindertagesstätten ein breites Lernfeld für interkulturelles Zusammenleben zur Verfügung. Aktuell über 3000 Kinder lernen von früh auf, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Durch besondere Programme wird eingeübt, Konflikte nicht durch Gewalt, sondern auf friedlichem Weg zu lösen.
Unsere evangelische Jugendarbeit will junge Menschen zu Toleranz und zur Verständigung ermutigen und befähigen. Mehr als 50 Fachkräfte und über 1000 Ehrenamtliche vermitteln durch ihre Angebote zehn Prozent der Jugendlichen in der Region Selbstbe-wusstsein und machen unmissverständlich deutlich, dass rechtsextremes Gedankengut keine taugliche Alternative zum biblischen Menschenbild ist.
In der Begegnung mit Partnerinnen und Partner aus Afrika erleben wir dankbar den Reichtum anderer Kulturen und anderer Weisen, christlichen Glauben zu leben und zu feiern.
In den Gottesdiensten, in der Konfirmandenarbeit, im Religionsunterricht an Schulen und Berufskollegs, in der Arbeit mit Erwachsenen, bei den Gedankenveranstaltungen zur Reichsprogromnacht am 9. November: Bei allem steht im Mittelpunkt das Gebot Jesu »Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst«. Gottesliebe, Zuwendung zum Mitmenschen und Selbstannahme sind nicht vereinbar mit Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das glauben und leben evangelische Christinnen und Christen in Verbundenheit mit der weltweiten Ökumene und den Geschwistern vor Ort.
Deshalb sagen wir deutlich und unmissverständlich auch heute an diesem 12. Juli 2008: Rassismus darf um Gottes Willen nicht sein!
Wir sagen das auch in dem klaren politischen Bewusstsein, dass die Ideologie des Nazismus vor fast 70 Jahren Unrecht, Hass, Krieg, Vernichtung und Zerstörung von Deutschland aus in alle Welt getragen hat. Evangelische Kirche hat damals in weiten Teilen geschwiegen. Das darf nicht wieder geschehen.
Darum erheben wir unsere Stimme und sagen: Wehret den Anfängen! Keine Nazis in Bonn! Kein Fußbreit den Faschisten! Wir stellen uns quer als Evangelische Kirche in der Region gemeinsam mit Euch!
Rassismus darf um Gottes und der Menschen Willen nicht sein!
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