Hintergrund
Für den 12. Juli 2008 hat das neonazistische »Aktionsbüro Mittelrhein« eine Demonstration unter dem Motto »Freiheit gibt es nicht geschenkt« in Bonn-Duisdorf angemeldet. Die Demonstration richtet sich gegen die dort in der Rochusstraße ansässige »Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien« und soll um 12.00 Uhr am Duisdorfer Bahnhof beginnen.
Das ursprüngliche Vorhaben, danach zum Bonner Hauptbahnhof weiterzumarschieren, haben die Nazis nach dem Kooperationsgespräch mit der Polizei fallengelassen.
Die Bundesprüfstelle ist die Institution, die auch jugendgefährdende Texte im so genannten Rechtsrock-Bereich indiziert. Die Einnahmen aus dem Verkauf rechtsextremer CDs finanzieren die rechte Szene. Die Indizierung behindert den legalen Vertrieb dieser menschenverachtenden Texte und führt so zu finanziellen Schwierigkeiten bei Nazi-Aktionen.
Diese Anmeldung ist seit der Demonstration gegen die Wehrmachtsaustellung im Jahre 1998 nach über 10 Jahren der erste Versuch der Nazis, wieder in Bonn zu demonstrieren.
Es ist davon auszugehen, dass die Aufrufer sich für diese Demo mit anderen rechten Gruppen verbünden werden, beispielsweise mit der ansonsten als »spießig« angesehenen NPD.
Die Aufrufer mobilisieren mit einem Flugblatt und einer Internet-Seite, die vor allem junge Leute ansprechen soll: die üblichen Nazi-Parolen sieht man nicht auf den ersten Blick, dafür ist von Demokratie und Meinungsfreiheit die Rede.
Die allermeisten Bonnerinnen und Bonner wollen diesen Nazi-Aufmarsch nicht, weder hier noch anderswo! Deshalb haben sich am 4. Juni 2008 über 50 Menschen aus unterschiedlichen Gruppen und viele »Unorganisierte« zusammengefunden, um das Bündnis »Kein Fußbreit den Faschisten« zu gründen.
Wir sind der Auffassung, dass diesen Gruppen kein Raum für ihre rassistischen und antisemitischen Parolen gegeben werden darf. Gerade in diesem Jahr, in dem sich die Bücherverbrennung zum 75. Mal jährt, ist es blanker Zynismus von Seiten der Nazis, gegen die Zensur ihrer Texte zu protestieren.
Treffpunkt ist am 12. Juli um 8 Uhr das DGB-Haus. Von dort aus wollen wir nach Duisdorf ziehen und uns den Nazis entgegenstellen - phantasievoll, friedlich und wirkungsvoll!
Weitere Aktionen sind am selben Tag geplant, um zu zeigen, wem die Bonner Straßen gehören: jede und jeder ist uns willkommen, egal welcher Herkunft und Hautfarbe - aber die Nazis nicht!